Your search results

WAS IST LEERSTAND?

Bei einem Leerstand handelt es sich um ungenutzte oder unvermietete Gebäude oder Flächen in privatem oder öffentlichen Eigentum. Schätzungen des Handelsverband Deutschland gehen bundesweit von einer durchschnittlichen Leerstandsquote von rund 10% aus.

postgasse1-3
Hauptstraße_RY

Ladenlokale

Die augenscheinlichsten Leerstände sind ungenutzte Einzelhandelsflächen. Sie sind zumeist in städtischen Ballungsräumen anzutreffen. Diese reichen vom kleinen Ladenlokal in gründerzeitlichen Vierteln über ungenutzte, größere Flächen am Rande von etablierten Einkaufsstraßen bis hin zu leerstehenden Kaufhäusern oder Einkaufsgalerien in städtischen Geschäftszentren.

Büro- und Gewerbeflächen

Des Weiteren existieren, vor allem in Großstädten, oftmals enorme Leerstände im Sektor der Büro- und Gewerbeimmobilien. Diese Flächen reichen von leerstehenden Etagen in spekulativ errichteten Bürohochhäusern bis hin zu ungenutzten Gewerbehallen und Verwaltungsgebäuden in Industriegebieten.

Wohnraum

Ungeachtet von gewerblichen Leerständen, existieren auch Leerstände von Wohnraum. Abgesehen von den großen Ballungszentren in denen Wohnraum stets knapp und teuer ist, gibt es in ganz Deutschland Leerstände von Wohnraum. Diese reichen vom typischen Einfamilienhaus in ländlichen Gegenden über schwer vermietbare Wohnungen in Innenstädten oder ganzen leerstehenden Trabantenstädten in den neuen Bundesländern.

URSACHEN VON LEERSTAND

Die Ursachen von Leerstand sind vielschichtig und für den bloßen Betrachter oft nicht nachvollziehbar. Sie können jedoch grob in Ursache und Dauer kategorisiert werden.

hindenburgstr
Waldhausener

Konjunkturelle Leerstände

Aufgrund von wirtschaftlichen Schwankungen steigt und sinkt die Nachfrage nach Büro- und Geschäftsräumen stetig. Schlechte wirtschaftliche Entwicklungen senken die Nachfrage, während in guten wirtschaftlichen Zeiten die Nachfrage positiv beeinflusst wird. Aber nicht immer entspricht die Nachfrage in Zeiten der Hochkonjunktur dem Bestand an freien Immobilien. Vor allem im Büromarkt ist zu beobachten, dass es immer öfter und länger zu Leerständen kommt.

Struktureller Leerstand

Unabhängig der wirtschaftlichen Entwicklungen kommt es aufgrund von strukturellen Umbrüchen in der lokalen Wirtschaft und dem demographischen Wandel in der Gesellschaft immer häufiger zu andauerndem Leerstand.

Durch das veränderte Konsumverhalten der Verbraucher, dem Trend weg von kleinen, inhabergeführten Geschäften hin zu großflächigem Einzelhandel in Stadtrandlage und dem E-Commerce befinden sich die Strukturen der Innenstädte im Umbruch. Kleine und mittelgroße Ladenlokale werden für den Einzelhandel mehr und mehr unattraktiv und stehen leer. Das Ergebnis dieser Entwicklung spiegelt sich in der Verödung von Straßenzügen oder ganzen Innenstädten wider.

Spekulative Leerstände

Objekte die trotz der Möglichkeit einer Vermietung oder Veräußerung aufgrund bestehender Nachfrage nicht genutzt werden, werden als spekulative Leerstände bezeichnet. Die Gründe hierfür liegen in monetären Interessen der Eigentümer die auf eine höhere Rendite spekulieren. Oftmals lassen Eigentümer von Immobilien die unter Denkmalschutz stehen diese absichtlich ungenutzt. Der forcierte Verfall solcher Immobilien mit Bestandsschutz ermöglicht es den Denkmalschutz auszuhebeln und einen Abriss zu erreichen.

AUSWIRKUNGEN VON LEERSTAND

Die Funktionen von gewachsener städtischer Struktur sind vielschichtig. Geschäfte übernehmen nicht nur die Versorgung von Bürgerinnen und Bürgern; optisch ansprechend ausgestaltete und gepflegte Geschäftszentren sind auch ein bedeutender Imageträger.

viersenerstr

Öffentliche Räume wie Geschäftsstraßen, Plätze und Verkehrsräume sind Orte des Zusammentreffens der Bürgerschaft und erfüllen somit ebenfalls bedeutende imagebildende Funktionen. Ist dem Geschäftsbereich die Funktion des Handels abgängig, ergeben sich für den Standort selbst wie auch für das gesamte Quartier weitreichende negative Folgen, einerseits aufgrund der Verschlechterung der Versorgungslage, andererseits aufgrund des Auftretens von Leerständen. Bereits durch vereinzelte Leerstände kann es zum auftreten einer Abwärtsspirale kommen, die zu weiteren Leerständen, zum nachhaltigen Imageschaden und zum Wegzug von ganzen Bevölkerungsschichten führt.

ZWISCHEN NUTZUNG

Der Begriff Zwischennutzung beschreibt eine zeitlich befristete, nicht rein ökonomisch orientiere Übergangsnutzung, für zur Zeit nicht genutzte Räume oder Flächen zu nicht marktüblichen Konditionen.

margarethengarten2
ladenlokal
Ausstellung_Hermanns
coworking

Definition und Potenzial

Zwischennutzungen sind Nutzungen, die im Zeitraum einer Verwertungslücke in leer stehenden Gebäuden oder auf Brachflächen zeitlich befristet zu besonderen Mietkonditionen stattfinden. Sie sind zum Zeitpunkt ihrer Initiierung zunächst als zeitlich befristet vorgesehen bzw. kurzfristig zugunsten einer rentableren Nutzung kündbar, können sich aber auch als optimale Nutzung herausstellen und sich am Standort etablieren. Aufgrund ihrer zeitlichen Befristung sind sie kurzfristig, relativ unkompliziert und flexibel realisierbar.

Michael Gutknecht benennt Zwischennutzung in seiner Bachelorarbeit „Urbanes Camping – Eine Zwischennutzung im Zentrum von Berlin“ nicht als Störung der Stadtplanung, sondern als natürlicher Prozess der Stadtentwicklung.

Das 2003 aus einem internationalen Forschungsprojekt aus ­gegründete und auf Zwischennutzungen spezialisierte Raumplanungsbüro Studio Urban Catalyst charakterisiert Zwischennutzungen anhand von zwei weiteren Kriterien. Zum einen sind Zwischennutzer nie die Besitzer der genutzten Fläche und zum anderen entrichten sie für die Nutzung meistens nur eine geringe Pacht. In vielen Fällen deckt die Pacht nur die Betriebskosten des Gebäudes oder Grundstücks ab. Darüber hinaus zeichnen sich Zwischennutzungen meistens dadurch aus, dass sie ohne größere bauliche und infrastrukturelle Investitionen auskommen. Durch die somit gering ausfallenden Kosten bieten Zwischennutzungen vor allem auch nicht kommerziell ausgerichteten Initiativen eine Gelegenheit zur Realisierung ihrer Ideen.

Akteure und Möglichkeiten

Die Stärke der Zwischennutzung liegt in ihrem symbiotischen Charakter für Nutzer, Eigentümer und Stadtentwickler. Zwischennutzungen stellen für die Akteure kreative Spielräume zur Realisierung von Ideen, alternativen Konzepten oder freizeitlicher Nutzung dar. Die häufigsten Nutzergruppen sind hierbei Künstler und Kreative, soziale Einrichtungen, Vereine und studentische Büro- und Arbeitsgemeinschaften. Die befristete Vermietung bedeutet für die ImmobilienbesitzerInnen die Vermeidung von Substanz schädigendem Leerstand sowie die Unterbindung von Vandalismus.

In den letzten Jahren lassen sich Zwischennutzungen in den Innenstädten gehäuft wahrnehmen, was zu einer größeren Akzeptanz in der Bevölkerung und der Politik führt. Unter Zwischennutzungen wurden bislang vor allem spontane, ungeplante und informelle Aktivitäten von kreativen Menschen verstanden, die sich städtische Freiräume aneignen, um ihre Ideen zu verwirklichen. In den letzten Jahren wurde die Aufmerksamkeit jedoch zunehmend auf die Effekte von Zwischennutzungen auf die Stabilisierung oder Entwicklung von Standorten gelenkt. Dieses Potenzial haben inzwischen Stadt- und Freiraumplaner, aber auch Grundeigentümer und Investoren erkannt. Zwischennutzungen werden in diesem Kontext zunehmend als strategisches Element der Stadt- und Standortentwicklung diskutiert und eingesetzt.

ZWISCHEN NUTZUNG UND QUARTIERS ENTWICKLUNG

Leerstände stehen einerseits symbolisch für die Negativentwicklung eines Viertels, sie können Abwärtsspiralen einleiten, sie markieren prekäre Verhältnisse im Stadtraum; gleichzeitig jedoch, können sie eine bestimmte Zielgruppe anziehen, die heute zunehmend wichtig für eine positive städtische Entwicklung und das Image von Standorten sind.

margarethengarten

Was in den 1970er Jahren politisch motivierte, informelle Hausbesetzungen waren, sind seit den späten 1990er Jahren zunehmend Kreative, Künstler, Start-ups und sozial engagierte Gruppierungen, die sich ungenutzte Stadträume (über offizielle Wege) zu eigen machen. Diese Pioniere werden in der Stadt­entwicklung immer mehr geschätzt, gewünscht und gefördert, weil durch ihre Zwischennutzungen positive Effekte auf den städtischen Raum ausgeübt werden. Fehlende monetäre Stärke gleichen Pioniere durch Kreativität, Engagement und ungewöhnliche, neue Geschäftsideen mit Strahlkraft aus. Damit stellen sie für das Image einer Stadt ein zumeist unterschätztes Potenzial dar. Denn die Attraktivität eines Standortes wird zunehmend durch weiche Faktoren wie das Image bestimmt.

Da die stabilisierende und belebende Auswirkung von Zwischennutzungen auf städtische Quartiere zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist eine Zunahme an wissenschaftlichen Arbeiten über das Phänomen Zwischennutzung zu erkennen.

Das steigende Interesse an Zwischennutzungen erfordert dabei neue, effiziente Mechanismen die als Vermittler zwischen Politik, städtischer Verwaltung, privatem Immobilienmarkt und potenziellen Zwischennutzern agieren.

Compare Listings